Dresden (Deutschland) - 04/2009


"Du Babba, hiär stäht "ägyptisch" - wos issn dääs? Dääs is doch glaa Junge: Dääs isn Disch dän mon gibben gann..."

Italienisches Flair an der Elbe: In Dresden erinnert nicht nur die Kuppel der Frauenkirche an die markante Architektur der toskanischen Metropole Florenz. Auch die Silhouette der Stadt und ihre kostbaren Kunstsammlungen haben ihren treffenden Beinamen geprägt: Elbflorenz.
Was man so in 5 Tage in Dresden tun (und lassen) kann und einem noch so auffällt steht dann hier...:

   

06.04.2009 - Anreise

07.04.2009 - Rathen / Sächsische Schweiz

   

08.04.2009 - City-Tour I

09.04.2009 - City-Tour II

   

10.04.2009 - Abreise


06.04.2009 - Anreise: Thänk ju for Träwweling wiss the Deutsche Bahn

Die längliche Bahnfahrt mit den Stationen "Koblenz - Mainz - Frankfurt - Fulda - Eisenach - Gotha - Erfurt - Weimar - Leipzig - Riesa - Dresden" bringt neben dem "ostalgischen" Streifzug klassischer Kulturstätten auch einen Ausflug in Sachen "menschliche Horizonte".

Zug fahren für Anfänger - ein Seminar welches als zweites Pflichtfach, nach dem Ampelfarben-Erkennungskurs, (dazu nachfolgend mehr...) schnellstens für alle Altersklassen eingeführt werden sollte. Man mag die Wagennummer verwechseln, man mag den Sitzplatz vertauschen, man mag gar das Zugfahren nicht mögen. Aber man darf nicht sagen:
"Wöhär sollschen wissn, dös döar Blatz resävierd is? => WEIL GENAU DAS AUF DEM ZETTEL AM FENSTER STEHT, GUTE FRAU....!!!
Wäre das nicht schon schlimm genug, wird hierdurch natürlich erst das Chaos im vollbesetzten Zug ausgelöst. Aufstehen, Tauschen, nochmal erklären, Ticket suchen, nochmal tauschen, ...
Auf einer Strecke von ca. 600 km ist viel Geduld und Demut gefragt.

Route
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Das Hotel
Damit der Reisende nicht frieren möge, suche er sich eine Herberge für die Nacht...
Natürlich kann man heutzutage zwischen vielen Sternen in Dresden wählen. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit hat in der Regel das Portemonaie das letzte Wort. Aber welch' ein Segen ist doch die "Erfindung" des Last Minute und mit L'Tur geht es dann auch preiswert in die Unterkunft.
"Baujahr 2008 am Bahnhof" klingt zunächst maximal nach einem Kompromiss, ist aber auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Das INTERCITY-HOTEL am Wiener Platz ist ideal. Sehr sauber, extrem bequeme Betten und in bester Ausgangslage für Dresdner und sächsische Expeditionen. Ein nettes Schmankerl des Hotels ist eine kostenlose Netzkarte (komplette Tarifzone 10) für die öffentlichen Verkehrsmittel (Bus und Tram). Da kann man zum Beispiel mit der Linie 2 oder 7 schon mal kreuz und quer durch die City trudeln und bekommt eine kostenlose Stadtrundfahrt "ganz nah am Leben".


07.04.2008 - Rathen: Der Eingang zur Sächsichen Schweiz

Rathen ist ein Kurort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Er liegt unterhalb der weltbekannten Bastei, einer Felskulisse im Elbsandsteingebirge und ist knapp 40 Kilometer von Dresden entfernt.

Mit der S-Bahn ab dem Dresdner HBF geht es in gemütlichen 35 Minuten zunächst nach Oberrathen um anschließend mit einem kleinen Fährboot für 0,70 Euro an das andere Elbufer nach Rathen zu gelangen. Von dort aus ein paar Meter ins Dorf und schon steht man im Wald... Und das ist nicht nur botanisch gemeint sondern durchaus auch phonetisch. Hier am Busen der Natur wird es noch gesprochen, das akzentfreie echte Sächsisch. Ein Mekka für Linguisten mit dem Hang zum exotischen...

Doch zurück zur Sächsischen Schweiz: Es ist schon beeindruckend was Mutter Natur hier geschaffen hat. Wie aus dem Nichts, steht man hier plötzlich inmitten von markanten Fels-Monumenten die man um-, durch- oder gar überwandern kann. Ganz zu schweigen von den Kletterern die diese Steinsäulen mit Seil und Muskelkraft bezwingen. Um es nicht zu übertreiben wähle ich bei schönstem Frühlingswetter und wenig fußgängerischem Gegenverkehr die "12km-Blitzvariante": Von Rathen zur Bastei, durch den Höllengrund nach Wehlen und entspannt an der Elbe zurück.


08.04.2009 - City-Tour I

Irgendwo zwischen Bau-Boom und Bau-Wahn findet man sich in der sächsichen Metropole wieder. Zurecht saniert oder gar neu aufgebaut werden hier die barocken Zeitzeugen die sich vorwiegend in Elbnähe finden.

Möglicherweise am Bedarf vorbei geht hier jedoch der ein oder andere Neubau. So viele Büros oder Ladengeschäfte müssen doch ersteinmal gebraucht werden.. Gerade auf der Prager Straße - der einstigen Ost-Vorzeige-Prachtmeile - ist es auffällig: Hier findet man "die", die man auch aus anderen beliebig austauschbaren Metropolen kennt. Die ganzen "Esprits, Pimkies, Deichmänner und Co." drängen sich hier dicht an dicht. Und die Baulücken sind noch lange nicht geschlossen...

Doch zum Glück mündet die Prager Straße im wirklichen Zentrum Dresdens:

Ein Wort zum leiblichen Wohl
Wenn man sich schon mal einen kleinen Reiseführer (VistaPoint) kauft, dann soll man ihn auch nutzen: So ist meines Erachtens das australische Restaurant Ayers Rock in der Münzgasse durchaus zu empfehlen (wenn man noch nie Strauß oder Känguru gegessen hat...).


09.04.2009 - City-Tour II

Null-Fünfer Erfrischungsgetränk
Ein wenig erschreckend ist der öffentliche Hang zur Bierflasche bei Jugendlichen. Hat sich doch anderorts ein schickes, quellfrisches Wasserfläschlein in den Fußgängerzonen etabliert, so scheint es hier "Très chick" zu sein, zur mittäglichen Prime-Time mit der guten alten Null-Fünfer Pilsflasche selbst in den S-Bahnen zu flanieren, den Durst zu stillen und den Spaßpegel zu steigern.
Da ist es ein frommer Wunsch der Regulierungsbehörden mit gezielten Werbebotschaften dem jugendlichen Frei-Durst entgegenzuwirken.



'The Ampelmännchen'
Auch in Dresden kann man lernen, dass Ampeln zweierlei Zwecken dienen. Zum einen - dem offenbar weniger wichtigen Grund - zur Regelung des Straßenverkehrs der PKW. Zum anderen als lustige Farbgestaltung an Zeprastreifen für die Fußgänger. Rot bedeutet hier in der Regel nicht, dass sich die Menschenströme zum gemeinsamen verharren am Rande des Fahrstreifens versammeln. Denn wer es eilig hat - und der Dresdner gehört in der Regel dazu - der nimmt den direkten Weg an das andere rettende Ufer.
Zur Ehrenrettung dieser "anarchistischen Fußgänger" muss man aber auch sagen, dass der Straßenverkehr für eine Stadt mit 500.000 Einwohnern überraschend unspektakulär ist. Und dies liegt wohl auch daran, dass hier ein hervorragender öffentliche Nahverkehr zur Verfügung steht. Mit dicht getackteten Bussen und Straßenbahn gelang man schnell und komfortabel von A nach B. Da ist es durchaus nachvollziehbar, das es dem ein oder anderen Zweibeiner schon mal bei einer Rot-Phase langweilig werden kann...



Apropos gute Laune:
Auffällig sind hier die vielen (jungen) Mütter mit Kinderwagen. Ob es nun am nachwuchsfördnerden Engagement des Familienministeriums oder der generell größernen Kinderfreundlichkeit der neuen Bundesländer liegt oder eher auf das eben beschriebenen Engagement der gut gelaunten Bierflaschen-Generation zurückzuführen ist liegt sei mal dahingestellt.

Glanz und Gloria
Je weiter man sich aus dem runderneuerten Zentrum Dresdens entfernt so häufiger begegnet man den Zeugen des Verfalls. Viele brachliegende Firmengelände zeugen von einer Zeit, in der vieles .. najja... anders war. Traurige Ruinen, die nie geglänzt aber immer glorreich waren. Auch Häuser, deren Erbauer einst - in besseren Zeiten - am Glanz der Zeit teilhaben konnten, vermochten sich wohl kaum ausmahlen, was Zeit und Systeme übrig lassen.



10.04.2009 - Abreise

Schade, dass das offenbar obligatorischen "Hee?" bei den Ansagen im Bahnhof nichts gebracht hätte. Denn in unglaublicher Geschwindigkeit, gepaart mit dem ortsüblichen Vokal- und Konsonanten-Remix waren einzig Uhrzeit zu erhaschen. Die Ziele bleiben dem Ungeübten jedoch verborgen...
Zug fahren kann schon eine Prüfung sein. Denn warum muss der Schreiber dieser Zeilen annehmen, dass in einem ca. 280 Meter langen Zug der einzige scheppernde Aschenbecher an seinem Platz angebracht ist, die einzige klappernde Deckenverkleidung in seinem Waggon zu finden ist und alleinige rumpelnde Achse unter seinem Sitz lärmt...


Ein wenig Wehmut eine schöne Stadt verlassen zu müssen, ein wenig Zufriedenheit diese Stadt endlich besucht zu haben und aber auch schon wieder ein wenig Vorfreude auf eine Stadt in der man zuhause ist: Koblenz